Weingut Hermann Dönnhoff – Niederhäuser Herrmannshöhle im Vergleich: GG gegen SL

Das hat uns lange schon mal interessiert: Kann man die Stilistik der Lage sowohl im GG als auch in der Spätlese der gleichen Lage erkennen?

Im Rahmen unseres Highland Circle Weincircles hatten wir nach drei Muri (Noma, Kopenhagen) – Alkoholfrei-Alternativen (etwas verkopft, nur bedingte Trinkigkeit, insgesamt zu süß) und drei moderne Furmint-Interpretationen von Straka, Beck und Moric noch diesen Vierer-Flight:

2023er GG gegen die Spätlese des gleichen Jahrgangs sowie die gleiche Kombi schon etwas gereift aus dem Jahr 2017.

Zuerst wurden die gleichen Jahrgänge, je einmal GG, einmal SL nebeneinander verkostet.

In der zweiten Runde jeweils die beiden GGs und die beiden SL gegeneinander. Spannend!

Hier die Erkenntnisse:

23 GG: In der Nase super frisch und klar, saline Meeresbrise, feine grau-schwarzschiefrige Würzigkeit, die leicht ins animalische abdriftet, wie erwartet natürlich noch sehr frisch und auch etwas verschlossen. Die typische Rieslingstilistik versteckt sich noch etwas hinter deutlicher Hefe- und Reduktionsaromatik. Am Gaumen super präzise mit feiner Salinität, fest gewirkter Struktur, bereits jetzt schon unendlich komplex, vielschichtig und mit verblüffender Länge.

23 SL: Hier steht noch die Süße im Fokus. Die Nase vermittelt neben der reifen Pfirsichfrucht auch wieder Ansätze an den würzigen Schiefer, jedoch sehr dezent animalisch. Am Gaumen rund, fruchtig, weich, gefällig. Nach dem Schlucken bleibt die straffe Säure, kombiniert mit genau der gleichen Salzigkeit wie beim GG.

17 GG: Ok, hier merkt man die fortgeschrittene Reife, aber in keinster Weise zu stark, nur in Ansätzen bereit geöffnet, würzige Rieslingtypizität tritt in den Vordergrund, der Wein wirkt in sich geschlossen, ruhend. Für Freunde nicht so extrem gereifter Rieslinge ist dies wohl ein guter Zeitpunkt für den Genuss. Filigran dagegen die Salzigkeit und Mineralität, gut verwoben mit einer fast schon viskosen Fruchtigkeit, der aber die Primärfrucht gewichen ist. Eher reif und gelb. Sehr schöne Balance, sehr elegante Länge, groß.

17 SL: Nach den knapp zehn Jahren merkt man, dass diese Art von Wein die Zeit braucht, dass viele Rieslingwinzer Spätlesen nach etwa zehn Jahren empfehlen und auch selbst zu deftigem Essen wie Bratengerichten geniessen. Die Süße wirkt abgeschmolzen, die würzige Schieferaromatik tritt hier fast am deutlichsten zu Tage. Hervorragende Balance, die Süße wirkt begleitend neben immer noch erfrischender Säure und knackiger Mineralität. Da ist auch noch Potenzial, macht aber im Moment sehr viel Spaß.