Domaine de Villaine – Bouzeron Aligoté 2022

Eigentlich mag ich keinen Aligoté. Zu oft waren die verkosteten kräuterig-grün, unreif, etwas bitter. Die ganz großen mal ausgenommen. Ähnlich geht es mir auch mit mittelmäßigen Silvanern. Braucht kein Mensch.

Dann las ich das Buch über Wein mit den 111… das es zu jedem Furz gibt. Die 111 besten Katzenvideos zum Beispiel. Auch das wollte ich mir eigentlich nicht kaufen. Beim ersten Durchblättern fand ich eine Vielzahl bereits verkosteter Weine, mal zu Recht, mal – meiner Meinung nach – nicht nachvollziehbar. Die andern, unbekannten, bzw. oft bekannten aber eben noch nicht probierten, erschienen mir eher willkürlich ausgewählt, eher austauschbar.

Dennoch hab ich mich von vorne bis hinten durchgearbeitet, und, Chapeau! viele Artikel gelesen, die eigentlich mein Interesse geweckt haben, obwohl ich nicht dachte, Süßweine aus Südafrika oder eben Rebsorten, die mich nicht wirklich vom Hocker hauen mal mit Interesse zu verkosten.

So auch hier bei diesem Aligoté, und siehe da, was der Autor Carsten Henn da schreibt, ist interessant, klingt nachvollziehbar und manifestiert sich in dem Wein, den ich gerade im Glas habe.

Kurz zum Hintergrund, den er in seinem Buch nennt: Aubert de Villaine, ein Mitbesitzer von Romanée Conti kauft das heruntergekommene Weingut in Bouzeron, im südlichen Burgund zwischen Santenay und Rully gelegen.

Er bringt es wieder nach oben und macht einen Wein aus den ertragsärmeren Aligoté Doré-Klonen als den üblichen Aligoté Vert Varietäten.

Soweit das Buch.

Was mir an dem Wein gefällt, ist die sehr zurückhaltende Kräuterigkeit, die fehlende Bittere und eine gewisse ätherische Komponente. Der Wein ist äußerst reif und saftig, eine hohe Viskosität vermittelt subtile Süße, der Holzeinsatz ist extrem professionell integriert und vermittelt genau das, was nur die richtig Großen mit Holz anzustellen vermögen: Nämlich dass man es niemals schmeckt, es aber die Komplexität und Viskosität des Weines zu erhöhen vermag. Genau das passiert hier.

Dabei ist ist ätherisch-kühl mit einer tollen, eher dezent-mineralischen Länge, wirkt immer trocken und salzig und erinnert schon an große Burgunder. Und das alles zu einem fairen Preis.

Und in dieser Kombination mit tollem Lesegut, einer im Burgund eher als minderwertig bezeichneten Rebsorte und einem Winzer, der es vermeintlich vermag, richtig Großes zu schaffen, entsteht ein Wein, der nicht nur hedonistisch gesehen extrem viel Spaß macht, sondern auch mit dem Hintergrundwissen eine tolle Bereicherung für mich und mein langsam wachsendes Weinwelt-Puzzle ist. Das ist flüssige Geschichte! Aus die Maus. To be continued…