
Hä?
Ja, Ihr seht schon richtig. Neu-Ulm. Fabrik.
Was will er denn jetzt wieder?
Dieser Beitrag soll als Beispiel zur Aufschlüsselung der größten Nürnberger ‚Global Player‘ im Bereich Lebkuchen dienen.
Hierzu extrem verkürzt die Entstehungsgeschichte, weitere Details findet Ihr auf der Haupt-Lebkuchenseite und da speziell bei den weiterführenden Links.
Dort habe ich auch versucht, etwas Licht in den Nürnberger Lebkuchendschungel zu bringen.
Falls Ihr es noch nicht wisst (meine Familie schon): Ich LIEBE Listen!
Klick hier: LEBKUCHENSEITE
(Und noch eine Bitte in eigener Sache: Habt Ihr Ergänzungen oder Wünsche? Habt Ihr Fehler gefunden? Bitte gebt mir HIER Bescheid, danke!)
EXKURS: Wie kommt es, dass es Weiss-Lebkuchen in Nürnberg gibt?
19. Jh: Lebkuchenfabriken Haeberlein und Metzger werden unabhängig voneinander in Nürnberg gegründet
1886 Lebkuchen- und Zuckerwarenfabrik Ferdinand Wolff wird gegründet
1910: Die Gebrüder Seim gründen die Nürnberger Firma zuerst als Waffelfabrik, dann Lebkuchen
1920: Nürnberger Lebküchner Haeberlein und Metzger schließen sich zusammen
1925 Lebkuchenfabrik Max Weiss in Neu-Ulm wird gegründet
1961: Max Weiss übernimmt den Nürnberger Fabrikanten Ferdinand Wolff, um Nürnberger Lebkuchen vor Ort herstellen zu können
1976: Schöller übernimmt Haeberlein-Metzger
1985: Schöller übernimmt Seim
1994: Lambertz aus Aachen übernimmt Max Weiss und damit auch die Namensrechte an Ferdinand Wolff
1999: Schöller verkauft Haeberlein-Metzger und Seim am Lambertz
Heute besteht die Lambertz-Gruppe aus folgenden Nürnberger Lebkuchen-Marken:
Haeberlein-Metzger, Weiss, Seim und Ferdinand Wolff, die alle irgendwie namentlich immer wieder auftauchen.
Ferdinand Wolff nur noch als Firmenadresse, die anderen immer noch als Lebkuchen.
Unter der Firmenadresse Kilianstraße 96 betreibt die Ferdinand Wolff GmbH & Co. KG als eines der Standbeine der Lambertz-Gruppe einen Fabrikverkauf.


Dort werden folgende Produkte verkauft, die vor Ort hergestellt werden:
- Haeberlein-Metzger Lebkuchen (LEH)
- Weiss Lebkuchen (auch bekannt als Weissella, das steht auch noch als Schriftzug an der Fabrik) (LEH, Discounter)
- Seim Lebkuchen, größer, schwerer, grober gemahlen, galt schon immer als Premium-Marke. hab ich in letzter Zeit nur dort im Fabrikverkauf gesehen, aber belehrt mich gern eines Besseren…


Aber nun zum Lebkuchen:
Stellvertretend hab ich hier den Weiss Lebkuchen als zweite Wahl probiert.
Ja, das ist natürlich Supermarkt-bis-Discounter-Qualität. Das war auch nicht teuer. Als zweite Wahl sieben Stück für 5.99 Euro.
Im Vergleich: Die erste Wahl Haeberlein-Metzger kostet (sechs Stück, 300g) das Gleiche, im Fabrikverkauf ein paar Cent billiger.
Die Seim-Lebkuchen (fünf Stück, aber 500g) 23(!) Euro, im Fabrikverkauf drei Euro billiger. Sorry, nicht gekauft.


Der Lebkuchen ist sehr fein gemahlen, die Optik leidet natürlich aufgrund der Zweite-Wahl-Aussortierung. Die erste Wahl ist optisch einwandfrei.
Die Nase erinnert durchaus an weihnachtliches Gebäck mit Gewürzen, könnte aber auch irgendwo in die Richtung Magenbrot o.ä. gehen (Lambertz-Gruppe).
Am Gaumen ist der Lebkuchen absolut verkehrstauglich, um als solcher durchgehen zu können. Vor allem für den überregionalen Verkauf an Personen, die keine High-End-Lebkuchenqualität von Bäckern oder engagierten Nürnberger Lebküchnereien kennen.
Die Schokolade ist unauffällig und nicht zu süß mit dezenten Kakaoanklängen. Das Innere (Textur) wirkt durch die feine Mahlung etwas trocken und mehlig.
Die weihnachtlichen Gewürze sind vor allem durch laute Zimtaromen, wie man sie aus einschlägigen Kaugummis kennt, vertreten und wirken auf der Zunge etwas austrocknend-adstringierend.
Fazit: Ein solider Lebkuchen, bei dem man auf der Kindergarten-Weihnachtsfeier schon mal zugreift. Zur Auslotung der ganzen Bandbreite an sensorischem Potenzial, das Nürnberger Lebkuchen dem interessierten Verkoster nahebringen kann, jedoch eher ungeeignet.
Aber wiederum: Das will man hier auch gar nicht. Dafür gibt’s ja Premium.
Daher von mir solide ⭐️⭐️1/2 von ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️