
Lebkuchen gehören zu Nürnberg wie die Bratwurst oder der Christkindlesmarkt.
Aber auch in der Umgebung gibt es sehr gute Bäcker und Konditoren, die hervorragende Lebkuchen herstellen.
Auch Produkte mit anderen Rohstoffen, die sich dann zwar nicht ‚Nürnberger Lebkuchen‘ oder ‚Elisenlebkuchen‘ nennen dürfen, werden hier vorgestellt.
Versuch einer Einordnung
Die ‚Global Player‘ in Nürnberg:
- Haeberlein Metzger
- Wicklein
- Schmidt
Namen, die noch rumgeistern (Erklärung folgt):
- Schöller
- Lambertz
- Seim
- Weiss
- Ferdinand Wolf
- Zucker Bär
- Georg Goess
- Pfann Lebkuchen
Klassische Nürnberger Lebküchnereien (meist Mischung aus handwerklicher und maschineller Produktion):
- Fraunholz
- Eckstein
- Woitinek (Peter-Henlein-Straße 1)
- Düll (auch Bäckerei)
- Mirus
- Dornauers (auch Chocolaterie)
- Nusselt
- Witte (& Ray)
Bäckereien mit handwerklicher Lebkuchenproduktion in Nürnberg:
- Konditorei & Café Beer
- Bäckerei Woitinek (Saarbrückener Straße 4)
- Confiserie Neef
- Bäckerei Büttner (geschlossen?)
- Biobäckerei Imhof
- Konditorei Rittinghausen
- Bäckerei Wild
- Bäckerei Kugler
- Der Beck
- Bäckerei Konditorei Steingruber
- Bäckerei Böhmer
- Konditorei Peter
- Bäckerhaus Ipta
- Bäckerei Albert (noch zu verifizieren, bekamen früher die Lebkuchen von Bäckerei Döllner, die jetzt geschlossen ist)
Weitere Lebkuchenproduzenten, Händler mit eigenen Marken, Häuser, die fremd produzieren lassen und in Nürnberg direkt oder online verkaufen. Eine detaillierte Aufdröselung folgt:
- Tres Aromas
- Nürnberger Bio Originale, Langwasser
- Lebkuchenhaus Gollmann
- Nüback Bessemer Straße
- Dr. Wunder Spezialitätenhandel Hauptmarkt 14
- Gerd Klinger, Effeltricher Straße
- Plätzchen Peter, Adam-Klein-Straße
- Das Sahnehäubchen, Glockendonstraße
- Meister Kranz, Höfener Straße
- Odilia, Hauptmarkt 11
- Neu: Haus Elise
Weitere, bereits getestete Lebkuchenproduzenten außerhalb Nürnbergs:
- Bäckerei Erbel, Dachsbach
- Bäckerei und Lebkuchenmanufaktur Rosner, Waldsassen
- Die feine Schleckerei, Rummelsberg
- Bäckerei Beck, Zirndorf
- Der Weberhof, Pettensiedel (Igensdorf)
- Criollo, Bodenwöhr
- Gräf, Seukendorf
- Mitterer, Stein
- Wittl, Neumarkt
- Wimmer, München
- Marktcafé Schnaittach
Haeberlein-Metzger, Seim, Weiss, Ferdinand Wolff, Lambertz
–
was steckt dahinter?
19. Jh: Lebkuchenfabriken Haeberlein und Metzger werden unabhängig voneinander in Nürnberg gegründet
1886 Lebkuchen- und Zuckerwarenfabrik Ferdinand Wolff wird gegründet
1910: Die Gebrüder Seim gründen die Nürnberger Firma zuerst als Waffelfabrik, dann Lebkuchen
1920: Nürnberger Lebküchner Haeberlein und Metzger schließen sich zusammen
1925 Lebkuchenfabrik Max Weiss in Neu-Ulm wird gegründet
1961: Max Weiss übernimmt den Nürnberger Fabrikanten Ferdinand Wolff, um Nürnberger Lebkuchen vor Ort herstellen zu können
1976: Schöller übernimmt Haeberlein-Metzger
1985: Schöller übernimmt Seim
1994: Lambertz aus Aachen übernimmt Max Weiss und damit auch die Namensrechte an Ferdinand Wolff
1999: Schöller verkauft Haeberlein-Metzger und Seim am Lambertz
Heute besteht die Lambertz-Gruppe aus folgenden Nürnberger Lebkuchen-Marken:
Haeberlein-Metzger, Weiss, Seim und Ferdinand Wolff, die alle irgendwie namentlich immer wieder auftauchen.
Ferdinand Wolff nur noch als Firmenadresse, die anderen immer noch als Lebkuchen.
Unter der Firmenadresse Kilianstraße 96 betreibt die Ferdinand Wolff GmbH & Co. KG als eines der Standbeine der Lambertz-Gruppe einen Fabrikverkauf.



Dort werden folgende Produkte verkauft, die vor Ort hergestellt werden:
- Haeberlein-Metzger Lebkuchen (LEH)
- Weiss Lebkuchen (auch bekannt als Weissella, das steht auch noch als Schriftzug an der Fabrik) (LEH, Discounter)
- Seim Lebkuchen, größer, schwerer, grober gemahlen, galt schon immer als Premium-Marke. hab ich in letzter Zeit nur dort im Fabrikverkauf gesehen, aber belehrt mich gern eines Besseren…
Inzwischen gibt es eine Vielzahl an hervorragenden Internetseiten zu diesem Thema.
Deshalb werde ich nicht alles nochmal aufwärmen.
Dies ist die wohl informativste Seite zum Hintergrund der Nürnberger Lebkuchen und zur Entstehung der bekanntesten Nürnberger Lebküchner. Hervorragend und detailreich recherchiert mit vielen historischen Querverweisen:
Der Freistaat Bayern vertreten durch das Bayerische Staatsministerium für
Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus betreibt die Seite
auf der alle bayerischen Spezialitäten, somit natürlich auch der Nürnberger Lebkuchen vorgestellt werden. Abgerundet wird die Seite von Tipps zu Museen rund um die Lebensmittelspezialitäten und Rezepte.
Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz informiert:
https://www.vis.bayern.de/essen_trinken/gewuerze_suesses/lebkuchen.htm
Hintergrundinfos, auch zu Elise, einer Lebküchnerstochter:
https://www.lebkuchen-schmidt.com/Lebkuchensorten/
Der Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie:
https://www.bdsi.de/warenkunde/feine-backwaren/nuernberger-lebkuchen/
Nürnberger Lebkuchen als ‚Bayerisches Original‘ mit geschützter geografischer Angabe:
https://www.lfl.bayern.de/iem/herkunftsbezeichnungen/index.php
HIER geht’s zu allen verkosteten Lebkuchen
Nachfolgend nun alle bisher verkosteten Lebkuchen, die aktuellen zuerst, dahinter das Archiv.
OKTOBER 2026
Schnaittach – Marktcafé – Elisen Lebkuchen



Hier ein echter Bäckerlebkuchen von einem kleine Café direkt in Schnaittach, das mir aus Erzählungen für seine außerordentliche Kuchenqualität besonders ans Herz gelegt wurde. Außerdem ist es im Laufnähe des Kanone- Bräustüberls.
Optik: Das sieht schon ganz gut aus, wobei die äußere Schokoladenhülle blind auch als industriell durchgehen könnte.
Im Innern (ich brech‘ den Lebkuchen jetzt auseinander, da bleibt die Struktur besser erhalten) eine schöne Mischung aus fein und grob. Letzteres spiegelt sich auch wunderbar bei den Nüssen wider.
Bereits in der Nase erscheint ein extrem gut ausgewogenes Gewürzpotpourri, Mandeln, Honig. Das riecht für mich schon verdammt nach Christkindlesmarkt und Weihnachten. Eher viele Aromen verwoben, Einzelnes, auch die Schokolade, sticht nicht heraus.
Am Gaumen super fluffiger Teig, intensive Gewürzaromen, vor allem die Nelke tritt deutlich hervor. Schöne, kernige Nussaromen, die ab und zu durch eine leichte Erdigkeit unterbrochen werden (meine Assoziation Haselnussschale). Im Abgang deutlich zimtig, aber auch etwas natronartig/chlorig/seifig, eventuell vom Hirschhornsalz? Keine Ahnung, da keine Zutatenliste auf der Packung angebracht ist. Auch am Gaumen bewegt sich die Schoki lediglich verhalten im Hintergrund, schade.
Textur: Saftig-feuchter Teig als guter Gegenpart zu den knackigen Nüssen, wirkt überhaupt nicht unfertig gebacken, das ist echt super getroffen.
Fazit: Ein sehr gut gemachter Lebkuchen, super Textur, tolle, runde Harmonie der weihnachtlichen Aromen, wenn da nur nicht diese o.g. Störaromen wären. Daher leider nur ⭐️⭐️⭐️ von ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
OKTOBER 2026:
Max Weiss Lebkuchenfabrik, Neu-Ulm




Ja, das ist natürlich Supermarkt-bis-Discounter-Qualität. Das war auch nicht teuer. Als zweite Wahl sieben Stück für 5.99 Euro.
Hergestellt natürlich in Nürnberg am Standort von Lambertz/Aachen. Aufdröselung wieso, weshalb, warum auf der LEBKUCHENSEITE.
Der Lebkuchen ist sehr fein gemahlen, die Optik leidet natürlich aufgrund der Zweite-Wahl-Aussortierung. Die erste Wahl ist optisch einwandfrei.
Die Nase erinnert durchaus an weihnachtliches Gebäck mit Gewürzen, könnte aber auch irgendwo in die Richtung Magenbrot o.ä. gehen (Lambertz-Gruppe).
Am Gaumen ist der Lebkuchen absolut verkehrstauglich, um als solcher durchgehen zu können. Vor allem für den überregionalen Verkauf an Personen, die keine High-End-Lebkuchenqualität von Bäckern oder engagierten Nürnberger Lebküchnereien kennen.
Die Schokolade ist unauffällig und nicht zu süß mit dezenten Kakaoanklängen. Das Innere (Textur) wirkt durch die feine Mahlung etwas trocken und mehlig.
Die weihnachtlichen Gewürze sind vor allem durch laute Zimtaromen, wie man sie aus einschlägigen Kaugummis kennt, vertreten und wirken auf der Zunge etwas austrocknend-adstringierend.
Fazit: Ein solider Lebkuchen, bei dem man auf der Kindergarten-Weihnachtsfeier schon mal zugreift. Zur Auslotung der ganzen Bandbreite an sensorischem Potenzial, das Nürnberger Lebkuchen dem interessierten Verkoster nahebringen kann, jedoch eher ungeeignet.
Aber wiederum: Das will man hier auch gar nicht. Dafür gibt’s ja Premium.
Daher von mir solide ⭐️⭐️1/2 von ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
SEPTEMBER 2026:
Lebkuchen Schmidt, Nürnberg – Walnuss Elise mit Ahornsirup – Lebkuchen des Jahres





Optisch für die Größe des Herstellers durchaus vorzeigbar, innen wird’s dann allerdings schon etwas unaufgeräumter, faltig und uneinheitlich. Relativ grobe Ölsamen wechseln sich mit fein gemahlenem Teig ab.
In der Nase erscheint sofort die – wohl gewünschte Assoziation, die man gewöhnlich bei der Kombination von Walnuss und Ahornsirup hat, ja, genau: Eis! Doch in Verbindung mit der süßen Vollmilchschokolade geht das alles schon etwas in Richtung Praline, Konfekt. Daneben ganz deutlich Noten von Backsoda, bzw. Natron, die auch eine intensive Salzigkeit vorspiegeln.
Genau das wiederholt sich sofort am Gaumen: Zuerst das süße Konfekt, vor allem getragen von der Vollmilchschokolade, dann die Süße des allzeit präsenten Ahornsirups. Dann erst folgen dezent nussige Aromen, mit 16% durchaus die Walnuss sensorisch im Vordergrund.
Die Textur ist wunderbar komponiert zwischen leichtem (bzw. sehr leichtem) Biss außen und einer mundwässernden Feuchtigkeit gerade über der Schwelle des Durchgebackenseins. So muss es doch sein. Relativ grobe Ölsamen verleihen noch einen zusätzlichen Biss.
Fazit: Natürlich ist dies kein handwerklicher Lebkuchen, kann und will er bei seiner Verbreitung auch gar nicht sein. Dafür kommt er aber äußerst ordentlich daher, nur die etwas zu aufdringliche Süße, die durch den intensiven Ahornsirup noch potenziert wird ist mir persönlich too much. Soll aber wohl bei dieser ‚Special Edition’ genau so sein.
Daher auch sehr ordentliche ⭐️⭐️⭐️ von ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
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