
Wollte ich schon lang mal probieren, wird er doch von Parker und seinen hörigen Weinhändlern als einer der neuen ‚Rising Stars‘ gelobt.
Auf einer Augenhöhe mit Raveneau und Dauvissat schreibt Willian Kelley für Parker, einer der sechs besten Betriebe in Chablis. Ok, sehen die Amerikaner vielleicht so. Im Vergleich zu Raveneau weniger fett, im Vergleich zu Dauvissat weniger stahlig-fokussiert-mineralisch-präzise. Klingt im ersten Moment negativ, ist aber eigentlich eine wunderbare Linie dazwischen. Zumindest für mich.
Sind mir die Raveneau-Sachen immer zu fett-holzig, wodurch oft die steinigen Noten verloren gehen, sind die Dauvissat-Weine immer sehr knackig-säurebetont, stahlig-mineralisch; außer man wartet sehr lange.
Dahingehend, sind die Weine von Bessin-Trembley eigentlich genau die perfekte Mittelschiene, genau die perfekt austarierte Balance zwischen Stoffigkeit und mineralischer Knackigkeit. Bis jetzt hab ich allerdings erst den normalen Chablis und der Vieilles Vignes (hier) probiert, die Großen folgen.

War der ’normale‘ Chablis durchaus balanciert und ganz nett bzw. authentisch gemacht, hat der VV doch noch mal eine Schippe draufgelegt.
Was ich bis jetzt sagen kann: Ja, das ist schon die große, typische Stilistik, die den Trinker beim Hineinriechen sofort auf den Hügel nördlich des Ortes Chablis versetzt. Man hat die Steine, die sonnige, vom Boden absorbierte Wärme, die man beim Durchwandern von Les Clos spürt, sofort in der Nase und am Gaumen. O.k., wahrscheinlich Einbildung. Aber die Assoziation ist da, sobald man solche Weine im Glas hat. Da müsst Ihr mal hin, schauen, riechen, fühlen.
Dieser Wein ist wunderbar balanciert. Er hat bereits zu Beginn eine Cremigkeit, die ihn mich bedenkenlos sofort zum kleinen Käseassortiment von Herrn Waltmann aus Erlangen einsetzen ließ. Und mal abgesehen vom gut gereiften Pont l’Évêque oder der hart-gereiften Ziege hat er eine gute Figur gemacht.

Der Wein hat alles, was man von einem klassischen Chablis erwartet. Er hat eben diese Cremigkeit, reife, nicht zu dunkelgelbe Früchte, er hat diese feine Salzigkeit, die manche auch Mineralität nennen, oder steinige Adstringenz, die zu einer lang anhaltenden Trockenheit am Gaumen führt, ohne unangenehm zu werden. Und immer eine Trinkigkeit, die Lust auf den nächsten Schluck macht.
Doch alles in allem: Irgendwie fehlt mir der Biss, das Wilde, das Ungestüme, das sich bleibend in meinem Gedächtnis einbrennt. Vielleicht ist der Wein einfach nur zu schön?
Ich werde auch die PCs und GCs bei Gelegenheit probieren, dann wird sich zeigen, ob die Kritiker und ihnen an den Lippen hängende Händler Recht behalten.
Bis hier mitgelesen? Tapfer. Sagt mir doch bitte Eure Meinung. Danke!