Nein, an Trento sollte man nicht einfach vorbeifahren in den Süden.
Waren wir bei unserem letzten Besuch vor nahezu drei Jahren schon so begeistert, wollten wir es nun nochmal wissen.



Nach wie vor erinnert uns das Restaurant nicht nur aufgrund der Einrichtung, sondern auch mit seiner reduzierten Karte, den ebenso reduzierten Gängen und dezent japanisch/asiatischen Einflüssen an das Nürnberger Restaurant Wonka.
Drei Menüs – Fleisch, Fisch und vegetarisch – setzen sich aus der knappen Speisekarte zusammen, die Preise sind fair und haben sich in den letzten drei Jahren kaum verändert, das vegetarische Menü ist sogar konstant geblieben.


Zur Einstimmung zwei schöne – mir unbekannte – Trento DOC, einmal Weiß und einmal Rosé. Beide sehr schön trocken, fein und komplex.


Los ging’s mit einem netten Amuse aus Kartoffelcreme, frittiertem Lauch und einem Fruchtauszug aus Roter Beete und Johannisbeere? (das andere hab ich vergessen ;-))
Wunderbar eine roh in Yuzu marinierte Bernsteinmakrele mit Rettich (eher Radieschen) wurde mit warmem Fond aufgegossen.
Fast noch extravaganter und aufgrund seiner beeindruckenden Optik leider vergessen zu fotografieren war die Schalotte mit Ziegenkäse.
Zweierlei Zubereitungen, einmal klassisch und einmal mit knusprigen Brotkrümeln vermischt wurden in dünnen Linien auf den Teller gespritzt, dazwischen lagen fast durchgegarte Schalotten, die mit Zucker eine karamellisierte Haube à la Crème Brûlée erhielten. Sehr schön!


Auch die beiden Primi waren hervorragend. Eher traditionell die Ravioli mit frischen Erbsen, Bohnen, Stracciatella-Käse und Scheibchen von weißen Trauben.
Ziemlich abgefahren, da in der Aromatik eher arabisch/marokkanisch anmutend, die sardische Pasta mit knackigem Oktopus, Kokos und Marsala.


Das vegetarische Hauptgericht mit gegrilltem Lauch, frittiertem Blumenkohl und einer erfrischenden Shiso-Aromatik auf Püree vom Blumenkohl war wunderbar abgestimmt.
Wiederum abgefahren der Fisch-Hauptgang: Stör mit Brombeeren, schwarzem Knoblauch und einer Balsamico-Reduktion. Auf’s Wesentliche reduziert hatte der Fisch eine herrliche Textur zwischen Tunfischbauch und Wagyu, die Brombeeren waren weich und brachten uns nicht so weiter, aber die Balsamico-Reduktion in Verbindung mit den erdigen Noten des schwarzen Knoblauchs bereichterte die Fischqualität nochmal. Brot zum Auftunken der Sauce war vollkommen ausreichend.


Noch zwei schöne Desserts, eine Fruchtzubereitung aus vorwiegend Ananas und Granatapfel kam in verschiedenen Texturen von Schaum bis Halbgefrorenes daher. Auch die lauwarme Nussschnitte mit Karamellmilch, Fruchtbuttercreme und Mandarinencoulis zeigte, dass auch in Italien andere Desserts möglich sind.


Alles in allem ein wunderbarer Abend, ausgefallene Ideen, reduzierte und auf den Punkt gebrachte Aromen, faires Preis-Leistungs-Verhältnis, wir kommen wieder!
Und zu Trinken gab’s auch noch was Schönes von der ebenfalls relativ klein gehaltenen Weinkarte, die allerdings durchaus mit ungewöhnlicheren Provenienzen aufwarten kann: Einen eigenständig-würzigen, mit 11,5% relativ leichten, aber dem Menü allzeit gewachsenen Blanc de Morgex aus dem Aosta-Tal.


Trento