
(Clairette, Grenache Blanc, Marsanne, Roussanne, Viognier, Bourboulenc u.a.)
Wieder so ein Wein, von dem man viel liest, euphorisch wie zweifelnd, der vermeintlich schwer zu finden ist weil extrem limitiert. Also muss sowas natürlich auch im Selbstversuch eruiert werden.
Denn nur so kann ich verstehen, was andere vermeintliche ‚Experten‘ so daherschwafeln… Extrem spannend 😉
Schon die erste Nase verspricht, das wird ein Meditationswein. Da muss/kann man nicht jede Woche ne Kiste leeren.
Dicht, reif gelbfruchtig, opulent und eine hohe Viskosität antizipierend, verströmt dieser rare Vaucluse/Rasteau ein verwobenes Potpourri aus ultrareifen gelben Früchten: Allen voran Mirabelle und natürlich Zitrone, aber auch exotische Anklänge an Ananas und Litschi sowie sehr reife Aprikose und Honig. Daneben ätherische Kräuter, dezent grün, auch Verbene.
Alles in allem extrem dicht gepackt und zur langen Meditation hervorragend geeignet. Man findet immer wieder neue Nuancen und Ansätze, die sich mit zunehmender Belüftung und Erwärmung ergeben.

Am Gaumen tritt natürlich die enorme Alkoholstärke in Form von extrem hoher Viskostität, Komplexität, Länge aber eben auch wärmender, leichter Brandigkeit auf.
Das ist schon fordernd, allerdings immer auf der spannenden Seite, begünstigt durch wärmende Länge am Gaumen.
Da denkt man natürlich an Süße, da denkt man an Holz, aber beides scheint nie wirklich präsent am Gaumen aufzutauchen.
Natürlich ist man sich beim Öffnen dieser Flasche der Intensität bewusst und ballert sich da nicht mal schnell alleine ne Flasche in‘s Gesicht.
Als Meditationswein aufgrund des immensen Aromenspektrums eignet sich diese Flasche hervorragend zur Verkostung über mehrere Tage. Zumal dieser Wein, z.B. im Gegensatz zu Portwein, über die Tage immer noch gewinnt und erstaunliche neue Aromenvielfalt preisgibt.
Neben der reifen, gelbfruchtigen Viskosität, hier vor allem in Form von Mirabellen und Aprikosen, steht eine salzige Mineralität, die deutlich erfrischend wirkt und und dem Wein eine wunderbare Balance und Frische vermittelt.
Oben erwähnte Süße (glaub ich nicht bei 16%) und bestimmt gewisser (wenn auch alter) Holzeinsatz sind hier super integriert. Da weiß schon jemand, wie man Wein macht und lässt nicht nur die Trauben am Stock komplett ausreifen, um den höchstmöglichen Alkoholgehalt zu erzielen. Hier scheint alles bewusst so zu passieren, denn die komplexe Balance ist phänomenal.
Ich wiederhole mich: Meditationswein, langsam trinken, über mehrere Tage, intensiv riechen und schmecken, am Gaumen wirken lassen und reflektieren. Do it! Das macht Spaß in der inzwischen so austauschbaren Einheitsweinwelt.

Und das sagt die KI zu dem Wein:
Gourt de Mautens Blanc 2017
Frankreich, Südliche Rhône, klassifiziert als IGP Vaucluse (die Weinberge liegen in der Gemeinde Rasteau, wurden jedoch wegen des kompromisslosen Stils des Winzers deklassifiziert
Rebsorten:Ein traditioneller, im Mischsatz (Complantation) gepflanzter Feldblend aus Grenache Blanc, Grenache Gris, Clairette, Bourboulenc, Marsanne, Roussanne, Viognier, Picardan und Picpoul
Weinbergsarbeit
Biodynamie: Kompromisslose Bewirtschaftung nach biologisch-dynamischen Prinzipien (Demeter-zertifiziert).
Erziehungssystem: Traditionelle Handarbeit in der Gobelet-Erziehung
Ertragsreduzierung: Extrem geringe Erntemengen von teilweise nur 10 bis 12 Hektolitern pro Hektar aus bis zu 100 Jahre alten Reben.
Ernte: Akribische, parzellenweise Selektion per Hand. Im Jahrgang 2017 wurde der Erntezeitpunkt akkurat gewählt, um trotz der großen Hitze und Trockenheit die essentielle Säurestruktur zu wahren.
Besonderheiten bei der Herstellung
Verzicht auf AOC-Regeln: Jérôme Bressy pfeift auf starre Vorgaben der Appellation Rasteau. Er vinifiziert urtypische, fast vergessene Rebsorten, was zur freiwilligen Einstufung als Landwein (IGP) führte.
Ganztraubenpressung: Die Trauben werden als ganze Reben sehr schonend und über einen längeren Zeitraum gepresst.
Besonderheiten der Behandlung im Weinkeller
Fermentation: Spontane Gärung ausschließlich mit natürlichen Hefen in großen, kegelstumpfförmigen Holztanks.
Ausbau: Extrem langer Ausbau von oft 24 bis 36 Monaten. Jérôme Bressy setzt auf eine Kombination aus großen Holzfässern (Foudres/Demi-Muids), Betonamphoren und Edelstahltanks, um Holzaromen zu minimieren und die reine Terroir-Identität zu wahren.
Die Abfüllung erfolgt ungeschönt und unfiltriert.